{"id":2419,"date":"2018-12-05T08:44:44","date_gmt":"2018-12-05T07:44:44","guid":{"rendered":"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/?p=2419"},"modified":"2018-12-05T08:44:44","modified_gmt":"2018-12-05T07:44:44","slug":"zwischen-smombies-lauchs-und-ehrenmaennern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/?p=2419","title":{"rendered":"Zwischen Smombies, Lauchs und Ehrenm\u00e4nnern"},"content":{"rendered":"<p>Ein Kommentar von Bettina Kleemann<\/p>\n<p>Endlich ist es wieder soweit! Das Jugendwort des Jahres 2018 steht fest. Abgesahnt hat letztendlich Ehrenmann\/-frau. Doch mal ganz ehrlich: mehr als eine nette Sprach-Spielerei ist das nicht.<\/p>\n<p>Bef\u00fcrworter sagen, die Wahl \u2013 ausgerichtet vom Langenscheidt-Verlag \u2013 sei dazu da, die Jugend und ihre Sprache wertzusch\u00e4tzen. Aber wie passt das zur doch recht ungew\u00f6hnlichen Jury-Zusammensetzung? Die besteht n\u00e4mlich zu einem Drittel aus Erwachsenen: Journalisten, Blogger und ein Polizeikommissar aus Berlin-Kreuzberg \u2013 sicher ein Experte in Sachen beleidigende Wortsch\u00f6pfungen seiner jugendlichen Kunden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem: Jugendsprache kann man viele der zur Wahl stehenden W\u00f6rter ohnehin nicht nennen. Wortvorschl\u00e4ge kann jeder einschicken, ob Rentner, der \u00fcberall seinen Senf dazugeben will oder Witzbold, der einen \u2013 meist v\u00f6llig absurden \u2013 Einfall hat. Und auch bei der Online-Abstimmung ist nicht \u00fcberpr\u00fcfbar, wie viele der Voter tats\u00e4chlich Jugendliche sind.<\/p>\n<p>Wohlwollende Stimmen behaupten, die Wahl zum Jugendwort des Jahres w\u00fcrde die Jugend dazu bringen, ihren Sprachgebrauch zu reflektieren. Doch die meisten der Wortvorschl\u00e4ge ernten bei denen nur ein ungl\u00e4ubiges Kopfsch\u00fctteln. Keiner \u2013 nicht einmal ein Jugendlicher \u2013 w\u00fcrde ernsthaft auf die Idee kommen, ein frankensteinartiges Konstrukt wie <em>glucose-haltig<\/em> anstatt des viel k\u00fcrzeren Wortes <em>s\u00fc\u00df<\/em> zu verwenden.<\/p>\n<p>Wirklich schlimm wird es aber bei Begriffen der vong-Sprache. Grammatische Verkr\u00fcppelungen wie <em>I bim\u2019s<\/em> erhalten durch den Medien-Rummel um die Wahl mehr Aufmerksamkeit. Mancher Erwachsene findet es sogar cool, diese im Alltag zu verwenden. Man stelle sich vor: ein Vater, der seinen Sohn mit <em>Jo, i bim\u2019s, Dad!<\/em> begr\u00fc\u00dft. Gruselig! Durch eine weitere Verbreitung k\u00f6nnen solche Wendungen, die jedem Linguistik-Liebhaber die Fu\u00dfn\u00e4gel aufrollen, bleibenden Schaden an der deutschen Sprache verursachen. Au\u00dferdem sind sie voll peinlich, ey!<\/p>\n<p>H\u00e4ufig wird auch das Argument in den Raum geworfen, die Bedeutung dieser Begriffe zu ver\u00f6ffentlichen, w\u00fcrde zu einer besseren Kommunikation zwischen Alt und Jung f\u00fchren. Dies ist erstens nicht der Fall und zweitens auch entgegen dem Sinn und Zweck der Jugendsprache. Die Jugendlichen wollen sich klar von den Erwachsenen abgrenzen \u2013 mit Kleidung, Musik und eben ihre Sprache!<\/p>\n<p>Wer sich jetzt zwischen Smombies, Lauchs und Ehrenm\u00e4nnern verloren vorkommt: Chillt mal eure Basis! Nachlesen kann man all diese Begriffe im Lexikon <em>100% Jugendsprache<\/em>. Es erscheint jedes Jahr ein paar Tage nach der Wahl des Jugendwortes. Ver\u00f6ffentlicht wird es \u00fcbrigens vom Langenscheidt-Verlag. Ein Zufall? Wohl kaum! Die ganze Aktion wird n\u00e4mlich alle Jahre wieder durchgezogen, nur um dieses Buch zu promoten. Letztendlich ist die Wahl zum Jugendwort des Jahres also nichts weiter als eine ausgefuchste Marketing-Kampagne des Langenscheidt-Verlags. Das Lexikon wird so kurz vor Weihnachten sicher zahlreich \u00fcber die Ladentheke gehen \u2013 auch als Alternative zu den sonst \u00fcblichen Geldgeschenken f\u00fcr pubertierende Teenager. Eine Win-Win-Situation f\u00fcr Eltern und Verlag. Aber keinesfalls eine Wertsch\u00e4tzung der Jugend und ihrer Sprache!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ein Kommentar von Bettina Kleemann Endlich ist es wieder soweit! Das Jugendwort des Jahres 2018 steht fest. Abgesahnt hat letztendlich Ehrenmann\/-frau. 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