{"id":2482,"date":"2019-02-06T23:20:02","date_gmt":"2019-02-06T22:20:02","guid":{"rendered":"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/?p=2482"},"modified":"2019-07-10T16:48:01","modified_gmt":"2019-07-10T14:48:01","slug":"bairischunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/?p=2482","title":{"rendered":"Bairisch ein Unterrichtsfach &#8211; ja so a Schmarrn!"},"content":{"rendered":"<h6>Bald k\u00f6nnte der Stundenplan in Bayerns Realschulen und Gymnasien so aussehen: montags Mathe, Deutsch, Geschichte und in den letzten beiden Stunden Bairisch. Denn Bayern will zur\u00fcck zu seinen Sprachwurzeln. Also zumindest Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der. Die bairische Mundart soll zuk\u00fcnftig in den 8. Klassen der bayerischen Schulen gelehrt werden. Ob als eigenst\u00e4ndiges Fach oder als Teil des Deutschunterrichts \u2013 wie dieser Unterricht aussehen soll, wei\u00df wohl nicht mal S\u00f6der selbst so genau. Warum also jetzt diese Aufregung?<\/h6>\n<p>Bei der Umsetzung des Vorhabens wird erschwerend hinzukommen, dass es \u201edas Bairische\u201c nicht gibt. Dialekt ist so vielf\u00e4ltig, dass man schon die Bewohner des Nachbarorts manchmal nicht versteht. Ganz zu schweigen von den \u00fcberregionalen Unterschieden. Zwischen Ober- und Niederbayern liegen Welten. Davon k\u00f6nnen Bayerns Lehrer ein Lied singen: eine Versetzung ist f\u00fcr \u201eZuagroaste\u201c nicht gerade leicht.<\/p>\n<p>Abgesehen davon: Dem Bairischen haftet ein unsch\u00f6nes Vorurteil an. Von norddeutschen Kindern wird es als derb und ungebildet wahrgenommen. Im Gegensatz dazu steht S\u00f6ders Aussage: \u201eSie alle wissen, dass Dialekt intelligenter macht, das sieht man an der bayerischen Staatsregierung jeden Tag\u201c. W\u00e4re dies tats\u00e4chlich der Fall, w\u00fcrden wir nicht immer wieder \u00fcber die brillanten Einf\u00e4lle der Politiker zum Abgasskandal und zur Fl\u00fcchtlingspolitik den Kopf sch\u00fctteln. Fakt ist zwar: Dialekt f\u00f6rdert, wie jede andere Zweitsprache auch, das Sprachzentrum des Gehirns. Daraus l\u00e4sst sich aber nicht notwendigerweise auf eine h\u00f6here Intelligenz schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Und mal ehrlich: \u00fcber Bairisch-Unterricht zu diskutieren, ist viel bequemer als die wirklich dringenden Probleme im Bildungsbereich ins Visier zu nehmen. Die Sprachgewandtheit und die Flexibilit\u00e4t des Wortschatzes von Schulanf\u00e4ngern nehmen von Jahr zu Jahr ab. Das liegt laut Simone Fleischmann, Pr\u00e4sidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, an Vielem: Abk\u00fcrzungen im Fernsehen, zunehmendes Schweigen am Esstisch zu Hause, keine Zeit mehr f\u00fcr Singen und Reimen im Kindergarten. In der ersten Klasse haben die meisten Kinder Nachholbedarf, so Fleischmann. Und das liegt sicher nicht am fehlenden Dialekt.<\/p>\n<p>Doch nicht nur Bayern sorgt sich um \u201eseine Sprache\u201c. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern f\u00fcrchtet man das Verschwinden des Plattdeutschen. Es wird mittlerweile in Volksschulen und einige Kinderg\u00e4rten angeboten.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend Dialekt die Sprachkultur bereichert, Identit\u00e4t stiftet, das Bewusstsein f\u00fcr die regionale Kultur sch\u00e4rft, kann er leider auch die Bildung einer \u201eWir-gegen-die-anderen-Mentalit\u00e4t\u201c f\u00f6rdern. Und das ist zu Zeiten von AfD, Pegida und Co. alles andere als w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p>Solche Lehrplanreformen sollten also gut durchdacht werden, bevor man im Hauruck-Verfahren eine zwar gut gemeinte, aber nicht gut gemachte, \u00c4nderung umsetzt. Einen solchen Schmarrn hatten wir ja mit dem G8 schon zur Gen\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>von Bettina Kleemann<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Bald k\u00f6nnte der Stundenplan in Bayerns Realschulen und Gymnasien so aussehen: montags Mathe, Deutsch, Geschichte und in den letzten beiden Stunden Bairisch. 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