{"id":735,"date":"2015-01-14T17:49:09","date_gmt":"2015-01-14T16:49:09","guid":{"rendered":"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/?p=735"},"modified":"2015-06-30T07:55:57","modified_gmt":"2015-06-30T05:55:57","slug":"geschichte-vor-der-haustuere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/?p=735","title":{"rendered":"Geschichte vor der Haust\u00fcre"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_756\" style=\"width: 643px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/flugzeug.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-756\" class=\"wp-image-756 size-full\" src=\"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/flugzeug.png\" alt=\"flugzeug\" width=\"633\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/flugzeug.png 633w, https:\/\/bos-scheyern.de\/sz\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/flugzeug-300x168.png 300w\" sizes=\"(max-width: 633px) 100vw, 633px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-756\" class=\"wp-caption-text\">B-24 Bomber \u00fcber den Alpen auf dem Weg zu einem Luftangriff nach Deutschland \u00a9 Marcus Siebler\/Dram-Film 2011<\/p><\/div>\n<p>Am Montag, den 22.12.2014, fesselte Marcus Siebler mehrere Klassen der FOS\/BOS Scheyern im Vorlesungssaal mit zwei von ihm gedrehten Dokumentarfilmen. Die Filme handelten von tragischen Kriegsverbrechen, die sich in den Landkreisen Freising und Pfaffenhofen ereigneten.<\/p>\n<p>Marcus Siebler wurde in Freising geboren, verbrachte im dortigen Landkreis seine Kindheit und wohnt derzeit in Gerolsbach. Er arbeitet im Medienbereich des Ifo- Instituts in M\u00fcnchen und wurde bereits zwei Mal f\u00fcr den deutschen Nachwuchsfilmpreis nominiert. Er war schon w\u00e4hrend seiner Kindheit sehr interessiert an Geschichte und startete zu dieser Zeit seine ersten Filmexperimente. Als Kind wurde er auf die Geschichte \u00fcber den Absturz eines amerikanischen Flugzeugs aufmerksam, bei dem ein Besatzungsmitglied ums Leben gekommen sein sollte. Im Jahr 2009 entschied sich Siebler dann, dieser Geschichte auf den Grund zu gehen, um dem oder den bisher unbekannten Opfern aus Amerika ein Gesicht zu geben. Er fing an, \u00fcber die Ereignisse zu recherchieren, und nach drei Jahren Arbeit setzte er seine Ergebnisse in einem Dokumentarfilm um.<\/p>\n<p>Den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der FOS\/BOS Scheyern wurden zwei Filme vorgef\u00fchrt: zum einen der Hauptfilm \u201e13. Juni 1944\u201c, und zum anderen der Film \u201e13,5 km\u201c. Zuerst wurde der Film \u201e13,5 km\u201c abgespielt. Dieser Film entstand laut Siebler sehr \u00fcberraschend. Er befragte seinen Nachbarn Xaver Neumeier zum eigentlichen Hauptfilm \u201e13. Juni 1944\u201c, doch als Xaver Neumeier dann zu erz\u00e4hlen begann, erfuhr Siebler eine Geschichte, die bisher noch nie erz\u00e4hlt wurde. Siebler war sehr betroffen von der Geschichte und beschloss daraufhin, die Erinnerungen seines Nachbarn in einen eigenen 15-min\u00fctigen Film zu packen. Beide Filme haben jedoch gemeinsam, dass Siebler Zeitzeugen ausfindig gemacht und zu den damaligen Ereignissen interviewt hat.<\/p>\n<p><strong>13,5 km (Erinnerungen von Xaver Neumeier):<\/strong><\/p>\n<p>Xaver Neumeier ist sichtlich aufgew\u00fchlt, w\u00e4hrend er seine Geschichte vor der Kamera preisgibt. Er berichtet dar\u00fcber, wie damals in den letzten Monaten des Dritten Reiches mehrere hundert H\u00e4ftlinge lange und steinige Todesm\u00e4rsche auferlegt bekommen haben, \u00fcber die lange Zeit nicht gesprochen wurde. Die H\u00e4ftlinge wurden vom Au\u00dfenlager des Konzentrationslagers Flossenb\u00fcrg in Hersbruck nach Dachau gef\u00fchrt. Auf ihrem 150km langen Weg durchquerten sie einige D\u00f6rfer und St\u00e4dte. So durchquerten auch ca. 500 Mann, \u00fcberwiegend in bestem Alter, Hirnkirchen, den Heimatort des damals 14-j\u00e4hrigen Xaver Neumeier. Die H\u00e4ftlinge wurden von schwerbewaffneten SS-Soldaten begleitet und waren meist sehr abgemagert und schwach. Als die SS-Soldaten mit den H\u00e4ftlingen in Hirnkirchen ankamen, war die Bev\u00f6lkerung des Ortes sehr schockiert und be\u00e4ngstigt. Die H\u00e4ftlinge sollten die Nacht bei den umliegenden Ein\u00f6den Kranzberg und Trillhof verbringen, doch war es unm\u00f6glich, alle 500 H\u00e4ftlinge in den dortigen H\u00f6fen des Ortes unterzubringen. Auf Grund dessen mussten viele H\u00e4ftlinge im Freien n\u00e4chtigen. Die Bev\u00f6lkerung von Hirnkirchen k\u00fcmmerte sich darum, dass die H\u00e4ftlinge etwas zu essen bekamen. Als die H\u00e4ftlinge wieder aufbrechen mussten, befahlen einige SS-Soldaten Xaver Neumeier, den Wagen zu fahren, auf den alle H\u00e4ftlinge aufgeladen wurden, die nicht mehr selbstst\u00e4ndig laufen konnten oder tot umfielen. Diejenigen, die aus Ersch\u00f6pfung nicht mehr weiter marschieren konnten, wurden von dem Soldaten kaltherzig erschossen. Die Aufgabe von Xaver war es, die leblosen K\u00f6rper auf den blutverschmierten W\u00e4gen nach Kirchdorf an der Amper zu transportieren. Herr Neumeier ist heute noch sehr ergriffen von den Ereignissen und k\u00e4mpft w\u00e4hrend des Erz\u00e4hlens immer wieder mit den Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p><strong>13. Juni 1944<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Film handelt von einem amerikanischen Bomber, der am 13. Juni 1944 unter deutschen Beschuss geriet und daraufhin nahe Sillertshausen im Landkreis Freising samt Besatzung abst\u00fcrzte. Der Flieger st\u00fcrzte auf einem freien Feld ab und ging in Flammen auf. Die meisten Besatzungsmitglieder konnten sich mit dem Fallschirm retten, ein amerikanischer Soldat \u00fcberlebte den Absturz jedoch nicht. Der Co-Pilot wurde sofort in Gefangenschaft genommen. Einem weiteren \u00dcberlebenden wurde sp\u00e4ter immer und immer wieder in den R\u00fccken geschossen, und er wurde letztlich grausam ermordet. Der Gefangengenommene wurde in der Polizeistation Attenkrichen inhaftiert und ebenfalls auf grausame Art und Weise ermordet. Die T\u00fcr zu seiner Zelle wurde gewaltsam ge\u00f6ffnet und dem Gefangenen mit einem Hammer die Sch\u00e4deldecke zertr\u00fcmmert. Der Rest der \u00dcberlebenden wurde in Durchgangslagern verh\u00f6rt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Kriegszeit st\u00fcrzte ein weiterer amerikanischer Bomber ab. Wie bei dem Absturz am 13. Juni wurden einige Besatzungsmitglieder ebenfalls kaltbl\u00fctig ermordet. Nach dem Krieg wurde jedoch gegen die Freisinger Kreisleitung ermittelt und es wurden die Kriegsverbrechen an den amerikanischen Besatzungsmitgliedern untersucht. Die \u00dcberlebenden der Bomber kehrten in die USA zur\u00fcck und gr\u00fcndeten Familien. Die Mitarbeiter der Kreisleitung wurden von der amerikanischen Milit\u00e4rregierung zun\u00e4chst zu lebenslanger Haft verurteilt, au\u00dfer der Kreisleiter, der sp\u00e4ter von einem deutschen Gericht zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und auf Grund von Revision kurze Zeit sp\u00e4ter frei gelassen wurde.<\/p>\n<p>Marcus Siebler ist selbst sehr \u00fcberrascht, wie viel er letzten Endes herausgefunden hat. Er schafft es mit seinen Recherchen sogar, die bisher unbekannten Opfer zu identifizieren und einen weiteren Mord an einem Besatzungsmitglied aufzudecken. Er ist jedoch auch sehr ger\u00fchrt von den tragischen Ereignissen der damaligen Zeit. Dennoch sagt Siebler, dass es eine Geschichte sei, die er nicht missen m\u00f6chte. W\u00e4hrend seiner Arbeit traf Siebler sogar Angeh\u00f6rige des Piloten und weiterer Besatzungsmitglieder pers\u00f6nlich. Beide Dokumentarfilme wurden auch schon im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Am Montag, den 22.12.2014, fesselte Marcus Siebler mehrere Klassen der FOS\/BOS Scheyern im Vorlesungssaal mit zwei von ihm gedrehten Dokumentarfilmen. 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