Der Slenderman-Mythos wird real

Mädchen in Amerika morden für fiktive Figur

Am 31. Mai 2014 ereignete sich in der Stadt Waukesha im Südosten Wiskonsins ein tragischer Vorfall: Die damals 12-jährigen Mädchen Morgan G. und Anissa W. versuchten mit 19 Messerstichen ihre Freundin Peyton L. in einem nahegelegen Wald zu töten. Beweggrund zu dieser Tat soll der Internet-Mythos „Slenderman“ gewesen sein.


Der Mythos entstand 2009 im Zuge eines Wettbewerbs auf der amerikanischen Internetseite somethingawful.com. Aufgabe war es, Bilder mit paranormalen Geschehnissen oder Figuren zu präsentieren. Eric Knudsen veröffentlichte dabei unter dem Pseudonym Victor Surge zwei Bilder, auf denen Kinder und im Hintergrund schemenhaft ein großer Mann abgebildet sind. Laut einem Interview mit „Victor Surge“ sollte seine Figur Unbehagen und Terror unter Verzicht auf ein logisches Motiv verbreiten.

Die beiden Mädchen haben im Internet über den Slenderman gelesen. Daraufhin sollen sie über Monate ihre Tat gemeinsam geplant haben. Anlässlich ihres 12. Geburtstages lud Morgan G. ihre Freundinnen zu einer Übernachtungsparty ein. Am selben Abend lockten sie und ihre Freundin Anissa W. ihr Opfer in einen nahe gelegenen Wald, überwältigten das Mädchen und stachen mit einem Messer 19 Mal auf ihre Freundin ein.

Peyton L. konnte sich mit letzter Kraft zu einer nicht weit entfernten Straße schleppen. Dort wurde sie von einem Fahrradfahrer gefunden, der sofort               einen Krankenwagen rief, so dass sie gerade noch überlebte.

Die Täterinnen konnten letztendlich festgenommen werden. Die Mädchen sollen die Tat begangen haben, weil sie Angst um sich und ihre Familien gehabt hätten. Sie wollten in einem verlassenen Haus, von dem sie dachten, der Slenderman lebe dort, mit ihm wohnen und zu seiner Anhängerschaft gehören. Berichten zufolge soll bei Anissa W. eine wahnhafte Störung diagnostiziert worden sein, die dafür verantwortlich gewesen sei, an die reale Existenz des Slendermans zu glauben. Bei Morgan G. wurden Anzeichen einer beginnenden Schizophrenie festgestellt. Anissa W. soll mittlerweile ihre Tat bereuen.

Lange wurde verhandelt, ob im Fall der beiden das Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht gelten soll. Über ein Jahr nach dem Vorfall entschied am 11. August 2015 das Bezirksgericht in Waukesha, dass die Mädchen nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden sollen, weshalb sie mit bis zu 65 Jahren Haft rechnen müssen. Am 21. August begann der Strafprozess, doch einen Monat später unterbrach laut The Guardian der Richter Michael Bohren den Prozess. Nun soll ein Berufungsgericht untersuchen, ob der Fall weiterhin nach dem Erwachsenenstrafrecht  behandelt werden soll.

Felix Greifenstein

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