Zwischen Smombies, Lauchs und Ehrenmännern

Ein Kommentar von Bettina Kleemann

Endlich ist es wieder soweit! Das Jugendwort des Jahres 2018 steht fest. Abgesahnt hat letztendlich Ehrenmann/-frau. Doch mal ganz ehrlich: mehr als eine nette Sprach-Spielerei ist das nicht.

Befürworter sagen, die Wahl – ausgerichtet vom Langenscheidt-Verlag – sei dazu da, die Jugend und ihre Sprache wertzuschätzen. Aber wie passt das zur doch recht ungewöhnlichen Jury-Zusammensetzung? Die besteht nämlich zu einem Drittel aus Erwachsenen: Journalisten, Blogger und ein Polizeikommissar aus Berlin-Kreuzberg – sicher ein Experte in Sachen beleidigende Wortschöpfungen seiner jugendlichen Kunden.

Außerdem: Jugendsprache kann man viele der zur Wahl stehenden Wörter ohnehin nicht nennen. Wortvorschläge kann jeder einschicken, ob Rentner, der überall seinen Senf dazugeben will oder Witzbold, der einen – meist völlig absurden – Einfall hat. Und auch bei der Online-Abstimmung ist nicht überprüfbar, wie viele der Voter tatsächlich Jugendliche sind.

Wohlwollende Stimmen behaupten, die Wahl zum Jugendwort des Jahres würde die Jugend dazu bringen, ihren Sprachgebrauch zu reflektieren. Doch die meisten der Wortvorschläge ernten bei denen nur ein ungläubiges Kopfschütteln. Keiner – nicht einmal ein Jugendlicher – würde ernsthaft auf die Idee kommen, ein frankensteinartiges Konstrukt wie glucose-haltig anstatt des viel kürzeren Wortes süß zu verwenden.

Wirklich schlimm wird es aber bei Begriffen der vong-Sprache. Grammatische Verkrüppelungen wie I bim’s erhalten durch den Medien-Rummel um die Wahl mehr Aufmerksamkeit. Mancher Erwachsene findet es sogar cool, diese im Alltag zu verwenden. Man stelle sich vor: ein Vater, der seinen Sohn mit Jo, i bim’s, Dad! begrüßt. Gruselig! Durch eine weitere Verbreitung können solche Wendungen, die jedem Linguistik-Liebhaber die Fußnägel aufrollen, bleibenden Schaden an der deutschen Sprache verursachen. Außerdem sind sie voll peinlich, ey!

Häufig wird auch das Argument in den Raum geworfen, die Bedeutung dieser Begriffe zu veröffentlichen, würde zu einer besseren Kommunikation zwischen Alt und Jung führen. Dies ist erstens nicht der Fall und zweitens auch entgegen dem Sinn und Zweck der Jugendsprache. Die Jugendlichen wollen sich klar von den Erwachsenen abgrenzen – mit Kleidung, Musik und eben ihre Sprache!

Wer sich jetzt zwischen Smombies, Lauchs und Ehrenmännern verloren vorkommt: Chillt mal eure Basis! Nachlesen kann man all diese Begriffe im Lexikon 100% Jugendsprache. Es erscheint jedes Jahr ein paar Tage nach der Wahl des Jugendwortes. Veröffentlicht wird es übrigens vom Langenscheidt-Verlag. Ein Zufall? Wohl kaum! Die ganze Aktion wird nämlich alle Jahre wieder durchgezogen, nur um dieses Buch zu promoten. Letztendlich ist die Wahl zum Jugendwort des Jahres also nichts weiter als eine ausgefuchste Marketing-Kampagne des Langenscheidt-Verlags. Das Lexikon wird so kurz vor Weihnachten sicher zahlreich über die Ladentheke gehen – auch als Alternative zu den sonst üblichen Geldgeschenken für pubertierende Teenager. Eine Win-Win-Situation für Eltern und Verlag. Aber keinesfalls eine Wertschätzung der Jugend und ihrer Sprache!

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