Fluchtgeschichten, die berühren – Eine Austauschrunde zwischen FOSBOS Scheyern und Berufsschule Pfaffenhofen

Wie fühlt es sich an, von heute auf morgen die eigene Heimat verlassen zu müssen? Was bedeutet es, Familie, Freunde und Vertrautes zurückzulassen und in einem neuen Land von vorne zu beginnen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen sowie der Vorklasse der FOSBOS Scheyern bei einer Austauschrunde mit Jugendlichen der Berufsschule Pfaffenhofen, die eigene Flucht- und Migrationserfahrungen mitbrachten.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom neu gegründeten Werteteam des Beruflichen Schulzentrums und insbesondere von Herrn Pawlitschko, Frau Ilg, Frau Kohlhuber und Frau Thalmeier unterstützt. Zu Gast waren sechs Schülerinnen und Schüler, die ihre persönlichen Lebensgeschichten mit den Jugendlichen in Scheyern teilten.

Nach einer Begrüßungs- und Vorstellungsrunde stand zunächst die Frage im Mittelpunkt, was alle Beteiligten miteinander verbindet. Anhand von Leitfragen wie „Welche Werte sind uns wichtig?“, „Was brauche ich für ein gutes Leben?“ oder „Was macht ein Zuhause zu einem Wohlfühlort?“ arbeiteten die Schülerinnen und Schüler heraus, dass die Gemeinsamkeiten zwischen allen am Austausch Beteiligten deutlich überwiegen. Die Ergebnisse zeigten, dass ein Zuhause weit mehr bedeutet als nur ein Dach über dem Kopf: Freiheit, Familie, Privatsphäre, Freundschaften und finanzielle Sicherheit wurden von vielen als zentrale Voraussetzungen für ein gutes Leben genannt.

Anschließend leitete ein Gedankenexperiment zum eigentlichen Thema des Tages über: Was würde man mitnehmen, wenn man die eigene Wohnung oder sogar die Heimat von heute auf morgen verlassen müsste? Schnell wurde deutlich, wie schwer eine solche Entscheidung wäre und wie viel mehr als nur persönliche Gegenstände bei einer Flucht zurückgelassen werden muss.

Im Zentrum der Veranstaltung standen die Gespräche in Kleingruppen. In drei Gruppen berichteten jeweils zwei Gäste von ihren Erfahrungen. Die Jugendlichen stammten ursprünglich aus Afghanistan, Bosnien, Griechenland und der Ukraine. Offen erzählten sie von ihren Fluchtwegen, von sprachlichen Herausforderungen nach ihrer Ankunft in Deutschland, vom Vermissen der Familie und der Freunde sowie von der Verantwortung, die Chancen im neuen Land bestmöglich zu nutzen.

Besonders bewegend waren Berichte über die Möglichkeit, in Deutschland eine Ausbildung absolvieren zu können, als Frau die gleichen Rechte und Chancen zu haben oder unterschiedliche Traditionen, Feste und Erziehungsstile kennenzulernen. Einige Jugendliche schilderten zudem ihre oft langen und komplizierten Wege nach Deutschland, die unter anderem über die Türkei oder sogar über einen längeren Aufenthalt in Irland führten.

Während der Gespräche wurde immer wieder spürbar, wie emotional das Thema für alle Beteiligten ist. Die Schülerinnen und Schüler der FOSBOS Scheyern hörten aufmerksam zu, stellten zahlreiche Fragen und zeigten großen Respekt für die Stärke der Gäste, ihre persönlichen Erlebnisse vor einer so großen Gruppe zu teilen.

In einer abschließenden Reflexionsrunde hielten alle Teilnehmenden in kurzen Statements fest, was sie bei der heutigen Austauschrunde beeindruckt, berührt oder zum Nachdenken gebracht hatte. Die Aussagen wurden von den Lehrkräften vorgelesen und sorgten für einen bewegenden Ausklang.

Viele Beiträge zeigten, wie nachhaltig die persönlichen Begegnungen gewirkt hatten. So hieß es unter anderem: „Jeder hat seine eigene Geschichte und man sollte nicht urteilen, bevor man diese kennt“ oder „Es war spannend zu erfahren, wie es Menschen geht, die in unser Land geflüchtet sind.“

Besonders häufig wurde der Mut der Gäste hervorgehoben. „Heute habe ich gelernt, wie stark Jugendliche mit Fluchthintergrund sein müssen“, notierte ein Schüler. Ein anderer schrieb: „Ich habe größten Respekt und schätze nun meinen Alltag mehr.“ Tief berührte viele auch die Vorstellung, die eigene Heimat zurücklassen zu müssen: „Es ist schwierig, alles in einen Koffer zu packen, wenn man eigentlich sein ganzes Leben zurücklassen muss.“ Eine weitere Rückmeldung lautete: „Wie schnell alles vorbei sein kann.“

Mehrere Schülerinnen und Schüler betonten außerdem, dass die Begegnungen zu einem Perspektivwechsel geführt hätten. „Wir nehmen vieles als selbstverständlich an“, hieß es auf einer Karte. „Es ist unvorstellbar, wie viel ihr durchmachen musstet und trotzdem mit einem Lächeln hier stehen könnt. Bitte lasst euch das nicht wegnehmen.“  

Eine andere Rückmeldung brachte auf besonders schöne Weise zum Ausdruck, was die Jugendlichen trotz unterschiedlicher Lebensgeschichten miteinander verband: „Egal, woher man kommt, man kann zusammen lachen. Wir hatten den gleichen Humor.“ Für andere fühlte sich der Nachmittag trotz der ernsten Thematik einfach wie ein „normaler Schüleraustausch“ an.

Das Werteteam hofft, dass die persönlichen Begegnungen sowie viele der geäußerten Gedanken den Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben und dass die Veranstaltung einen gewinnbringenden Beitrag zum Abbau von Vorurteilen sowie zur Schaffung von Empathie und gegenseitigem Verständnis geleistet hat.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Beteiligten und Unterstützern der Veranstaltung.