Holz statt Öl: Schüler des ABU-Zweigs schauen Scheyern beim Heizen zu

Es riecht nach Sägewerk, nicht nach Heizungskeller. Vor dem Schaufenster der Hackschnitzelheizung Scheyern türmt sich ein Berg zerkleinertes Holz, dahinter brummt eine Anlage, welche kommunale Liegenschaften um das Schyrenareal warmhält. Genau hierhin führte die letzte Exkursion des ABU-Zweigs der FOS Scheyern, begleitet von zwei Technikern der planenden Firma ETA Energieberatung aus Pfaffenhofen, Frau Jurevicius und Herrn Gamperl, sowie von Herrn Loos vom Bauamt der Gemeinde Scheyern.

Auf dem Papier ist ABU der Zweig für Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie. In Scheyern wurde daraus für eine Stunde ein Blick in die Kesselkammer: Wie viel Holz braucht so eine Anlage pro Tag? Was passiert, wenn die Schnitzel zu feucht sind? Und warum klingt eine Förderschnecke wie eine kleine Achterbahn? Die ETA-Techniker beantworteten zusammen mit dem technischen Betreiber, Herrn Smolarek, jede Frage, ohne einmal auf ein Fachbuch zu verweisen. Er berichtete über den Alltag im Anlagenbetrieb, ergänzt durch die fachlichen Anmerkungen von Herrn Gamperl zur Hackschnitzelfördertechnik bis zur Wärmeübergabe.

Für die Gemeinde ist die Anlage längst mehr als ein Vorzeigeprojekt. Wer hier ans Nahwärmenetz angeschlossen ist, heizt mit Holz aus den umliegenden Wäldern statt mit Öl aus Übersee. Die Rechnung ist einfach: weniger Tanklaster, weniger CO2, mehr Wertschöpfung für Landwirte und Waldbesitzer aus der Region, sowie Verwertung vom im gemeindeeigenen Forst anfallenden Restholz.

Und sie ist auch für den Geldbeutel attraktiv. Während Öl- und Gaspreise seit Jahren Achterbahn fahren, bleibt der Brennstoffpreis aus Scheyern erstaunlich ruhig. Ein Nebeneffekt, den auf der Exkursion niemand extra erklären musste – die Zahlen sprachen für sich. Frau Jurevicius hielt in einem zweiten Teil eine kleine Einführung über Brennstoffe, deren Brennwert und andere spannende Eigenarten – dazu wurden verschiedenste Proben von Brennstoffen zum Betrachten und Fühlen präsentiert. Die technologischen Details praxisnah gezeigt und erklärt zu bekommen, ist im besten Sinne echter Unterricht – durch die hervorragende und sehr persönliche Zusammenarbeit der beteiligten Akteure war diese spannende Fachexkursion schnell zu bewerkstelligen und für die Teilnehmer sehr gewinnbringend.   

Für die ABU-Schülerinnen und Schüler war der Vormittag ein Paradebeispiel dafür, warum sich ihr Zweig lohnt: Klimaschutz, Technik und Wirtschaftlichkeit lassen sich hier nicht nur besprechen, sondern besichtigen. Wer wissen will, wie Energiewende vor der eigenen Haustür aussieht, muss nicht weit fahren – ein Ortsbesuch in Scheyern reicht.

Text: Alexander Ziegler